Frank Zander beschenkt Obdachlose

Wie jedes Jahr ist es auch in diesem Jahr wieder bald soweit, dass sich Obdachlose und Bedürftige sich für einen Abend freuen dürfen. Einmal sind sie nicht die Ausgestoßenen, die Betrogenen, die Beschimpften, die Diskriminierten und Bestohlenen.

Einmal sind sie von den Weg-Sehenden, von den mit dreckigen Finger auf sie Zeigenden, von den wahren Sozialschmarotzern, von den Pseudohelfern wie Jobcentern und Agenturen für Arbeit so weit entfernt, dass sie sich sicher fühlen können.

Einmal können sie die schlechten Werte des Westens vergessen oder besser verdrängen, die von Sadisten als gute Werte hingestellt werden. Am 21.12.2015 findet im Hotel Estrel in Berlin das schon berühmte Essen statt. Künstler servieren und treten auf. Aber auch viele Helfer sind uneigennützig mit dabei. Eine Insel der Menschlichkeit in mitten einer Stadt, die ansonsten kalt und rau ist.

1995 hatte es mal klein mit 150 Gästen im Schloss Diedersdorf begonnen. In diesem Jahr werden an die 3000 Menschen erwartet. Viele Menschen haben gespendet.

Danke an Frank Zander, seiner Familie und den vielen Helfern und Künstlern! Weihnachten mit Frank Zander

Günter Grass – Was gesagt werden muss

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.